31
Mai

Bogenbau Workshop

   Posted by: Nick   in Allgemein

Es war einer dieser Aha-Effekte, als eines Tages einer meiner Arbeitskollegen mit einem englischen Langbogen an meinem Büro vorbeispazierte. Natürlich bin ich ihm gleich hinterher und hab ihn über das Ding ausgefragt. Dabei stellte sich heraus, dass er nicht nur regelmäßig mit dem Bogen übte, er hatte ihn sogar selbst hergestellt. Stattliche 75 Pfund hatte der Bogen an Zugkraft und mein Kollege lud mich zu sich nach Hause ein, damit ich auch einmal mit dem Bogen schießen könne.
Gesagt getan, ich besuchte ihn zusammen mit meiner Frau und durfte sein ganzes Bogensortiment durchprobieren. Da war es um mich geschehen, ich brauchte auch so einen. Gemütlich bei einem Bier redete ich mit ihm und erlärte ihn die Sache mit den Larp-Bögen und er meinte zu mir, es wäre kein Problem einen richtig schönen Bogen zu bauen, der eine anständige Leistung bringt, aber unter der magischen 30 Pfund Marke liegt.  So verabredeten wir uns zu einem Workshop. Er besorgte meiner Frau und mir zwei wunderschöne, bereits fertig verleimte Rohlinge. Ich wollte einen Flachbogen im Stil der amerikanischen Ureinwohner, dafür bekam ich ein Stück Osage Holz mit einer dünnen Schicht Hickory als Rücken. Meine Frau wollten englischen Longbow aus Ipe und einem Rücken aus Bambus.

Da standen wir nun, und vor uns zwei Stück Holz und viel Arbeit. Die Rohlinge waren bereits fertig verleimt, so dass wir uns eigentlich nur noch darum kümmern mussten ihnen die richtige Form zu geben. Maarten, mein Kollege, erklärte uns zuerst die ersten Schritte. Es ist ganz wichtig, den Rohling immer und immer wieder zu biegen, dabei zuwokshop1 schauen, an welcher Stelle er sich ungleichmäßig biegt. So fingen wir an mit Zugeisen Millimeter für Millimeter von dem Holz abzuschaben. Das Ganze stellte sich als eine sehr mühselige Geschichte heraus und wir waren den ersten Tag wirklich nur damit beschäftigt dem Holz einigermaßen eine Form zu geben. Richtige Berge an Spänen türmten sich auf, aber dem Holz sah man kaum an, dass sich irgendetwas getan hatte. Aber ich muss sagen, dass man bei dieser Arbeit den Kopf so richtig frei bekommt. Es hat wirklich etwas meditatives… wenn da nicht die Rückenschmerzen wären.

workshop3

Immer wieder spannten wir die Bögen auch auf ein Gestell auf, um begutachten zu können, ob die Biegung richtig ist. Dabei zeichnete uns Maarten immer wieder auf, an welchen Stellen wir noch Holz wegnehmen müssen und welche Stellen wir nicht “anfassen” dürfen. So verging der erste Tag des Workshops mit Abziehen und Biegen.

workshop4

Nach so einem Tag weiß man wirklich, was man getan hat. Dadurch dass man Muskeln belastet, die man sonst so nicht belastet bekommt man von dem ganzen einen wunderbaren Muskelkater. Obendrein hab ich mir einen schönen großen blauen Fleck geholt, weil ich den Bogen immer oberhalb vom Knie aufliegen hab lassen beim Abziehen… aber unsere Bögen mussten auch leiden. Sie wurden über Nacht eingespannt, damit sie sich zurechtbiegen. Am Ende des ersten Tages haben wir die Bögen noch “gewogen”. Beide lagen so bei ca. 50 Pfund, es gab also noch ordentlich was zu tun für den nächsten Tag.

workshop5

Am zweiten Tag ging es wieder frühzeitig los. Bei einer Tasse Kaffee bekamen wir die weiteren Schritte erklärt. Maarten hatte inzwischen unsere Arbeit nochmal überprüft und ein paar kleinere Schnitzer von uns ausgebügelt. Wir verbrachten noch den ganzen Vormittag mit Abziehen und Biegen, aber dann war es endlich soweit. Die Bögen konnten workshop6eingeschossen werden. Ganz wichtig dabei war, nur 3/4 der Pfeillänge zu Ziehen, damit der Bogen nicht überansprucht wird. Man sollte mindestens 100 Pfeile so verschießen, bis man den Bogen voll belasten kann. Unsere Bögen erwiesen sich schon beim Einschießen als sehr leistungsfähig und zielgenau. Schon jetzt war es eine wahre Freude mit ihnen zu schießen.  Erste Gedanken kamen mir, ob die Bögen nicht eigenlich zu schade fürs Larp sind. Vor allem wenn man den Preis bedenkt, den sie fertig im Laden kosten würden…

workshop7Leider ging das Einschießen viel zu schnell vorbei und es musste den Bögen noch der letzte Schliff gegeben werden. Beide Bögen wurden am Griff mit Leder umwickelt und anworkshop8 den Enden fügten wir eine Spitze aus Horn hinzu. Bei Kathis Bogen waren es zwei Endstücke von Kuhhörnern die direkt auf die Enden aufgesetzt wurden. Ich verwendete schwartes Widderhorn und bei mir wurden die Hornstückchen nur als Verstärkung auf die Rückseite des Bogens geklebt. Meine Bogensehne bekam noch einen “Schalldämpfer” verpasst, zwei kleine Fellstücke die in die Sehne eingedreht werden. So komisch es klingt, aber dadurch hört man das Pfeifen der Sehne beim Schuss nicht mehr.

Kurz bevor am zweiten Tag die Sonne unterging waren wir fertig mit unseren Bögen. Voller Stolz wurden beide mit einem Becher Met getauft auf die Namen “Skrällseger” und “Evolet”. Im Moment hat mein Bogen leider noch ein wenig zuviel Kraft, er war bei der letzten Messung noch bei 34 Pfund. Kathis Bogen liegt derzeit bei 29 Pfund.
workshop9
Ob wir die beiden Schmuckstücke jemals mit auf eine Con nehmen wissen wir noch nicht sicher, um ehrlich zu sein, ich habe noch nichteinmal einen Larp-Pfeil damit verschossen. workshop10

Zum Abschluss möchte ich noch Maarten danken für ein tolles Wochenende und

eine tolle Erfahrung. Für alle Interessierten füge ich hier noch einen Link zu seiner Homepage ein. Er gibt regelmäßig Workshops und ist auch auf einigen Mittelaltermärkten vertreten.

banner-461px-60px

No related posts.

Tags: , , ,

This entry was posted on Sonntag, Mai 31st, 2009 at 17:10 and is filed under Allgemein. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a reply

Name (*)
Mail (will not be published) (*)
URI
Comment