Ein jedes Land hat seinen Herrscher, vom Baron bis zum Gottkönig ist alles vertreten und wird bespielt. Keine Baronie ohne Baron, keine Grafschaft ohne Grafen und Reich ohne Souverän. Mag sein, dass es nicht immer ein gekröntes Haupt ist, dass dieses wunderbare Land regiert, aber einen Herrscher, einen Anführer oder eine elitäre Gruppe von mächtigen Personen, die über die Geschicke des Landes bestimmen gibt es immer.

Eigentlich auch keine schlechte Sache, oder? Ich meine, wie soll es sonst möglich sein, als Ritter im Dienste eines edlen Herren zu stehen oder sich für eine grausame Lady ins Unglück zu stürzen? Und – was noch viel schlimmer ist – über was sollen denn die Bauern den lieben langen Tag schimpfen, wenn nicht über die Obrigkeit?

Das Interessante am Adel ist aber nicht allein die Macht, das Ansehen und die schönen Kleider. Nein! Da gibt es noch viel mehr… allein die Intriegen! Denn was für den Bauern der Klatsch und die Schimpferei über die Obrigkeit ist, das sind die Intriegen für die hohen Damen und Herren. Ich bezweifele stark, dass es auch nur einen Adeligen gibt, der nicht genussvoll am Stuhl eines anderen sägt…. sei es, um dessen Position einzunehmen, sei es, um ihm einfach einen Denkzettel zu verpassen, wegen eine abfälligen Bemerkung, die so beiläufig war, dass man sich selbst nicht einmal mehr daran erinnern kann.

Wie schön ist es doch, dieses ganze Auf und Ab, dieses stetige Bangen um die eigene Position und der Versuch, immer neue, immer bessere Bündnisse zu schließen. Und – ganz wichtig! – dabei stets wie die strahlend weiße Unschuld erscheinen.

Und doch, es gibt immer eine Person im Reich, die unantastbar auf dem höchsten Amt des Reiches thront. Nicht, dass man es nicht versuchen würde, aber wenn man dieser Person zu gefährlich wird, wird man unweigerlich dafür bluten. Im Prinzip eine durchaus verständliche Reaktion… wenn… tja, wenn sie auch tatsächlich im Spiel geschehen würde und nicht auf Informationen beruhen würde, die nur der Spieler, nicht aber der Charakter weiß.

Ja, sicher, solche Nasen gibt es, werdet ihr euch denken.
Da muss man sich nicht lange ärgern.
Da kann man sich ja ganz einfach an die Orga wenden, schließlich ist sie ja dafür zuständig, solche nasigen Aktionen im Reich zu unterbinden. Und der Orga wird niemand widersprechen, da sie nicht nur Orga ist sondern auch… oh…ja sicher… mit ihrem SC-Chara auf dem höchsten Amt des Reiches sitzt.

Mit dieser Erkenntnis ist man schon einmal einen Schritt weiter. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten:
Man spielt seinen Adeligen weiter, wie gehabt, und hofft darauf, dass der werte Herr Landesfürst oder die holde Dame als Orga soviel Professionalität besitzen, um zu erkennen, dass das reines Spiel und kein Versuch ist, die Orgaposition an sich zu reißen.
Oder aber, man lässt – wie ein verbranntes Kind – die Finger davon, huldigt dem großen unantastbaren Orgagott und betet, dass es dieses Sakrileg gnädiger Weise übersieht.

Und doch… ist dieser Handschuh einmal geworfen, hat man – unbedacht und nur im Spiel – auch nur einmal die Hand nach der Krone ausgestreckt, wird es selten wieder so sein, wie zuvor. Der paranoide Souverän wird dich beobachten, über jeden deiner Schritte wachen und in seiner Angst, du könntest ja vielleicht doch noch immer den Wunsch nach Krone, Land und Orgawürden hegen, wird er in all deinem Tun nur eine besser verschleierte Intriege sehen, die dich näher an dein Ziel bringen soll. Und so wird er natürlich auch alles tun, um seine Position zu schützen. Er KANN ja auch alles tun, schließlich ist er ja Landesorga.

Letztendlich bleibt einem nichts anderes übrig, als seine Sachen zu packen und das Land zu verlassen, um ein eigenes Reich zu gründen. Und da werd ich’s dann besser machen! Bestimmt! Und damit mir auch kein anderer dreinreden kann, setze ich mir die unantastbare Krone auf Haupt.

Nun… eigentlich wäre das ein schöner Schluss für diesen Artikel, aber noch habe ich nicht die entscheidende These in den Raum gestellt:

Ein König, den man nicht stürzen kann, ist wie eine unüberwindliche Mauer: er gibt eine gewisse Sicherheit, aber er schränkt das Spiel auch gewaltig ein. Der eigentliche Reiz des Spiels entsteht doch aber nicht aus der Sicherheit heraus, sondern durch das Abenteuer und jedes Abenteuer birgt Gefahr.
Ist es nicht viel schöner für ein Land und reizvoller für das Adelsspiel, wenn man stets die Gewissheit hat, dass jeder – auch der oberste Landesherr – von seinem Thron gestoßen werden kann? Dass die Möglichkeit besteht, muss ja nicht unbedingt heißen, dass es leicht ist.

Ich für meinen Teil bespiele auf jeden Fall lieber ein Land, in dem ich weiß, dass ich mir wirklich etwas erarbeiten kann. Ich kann sogar dem König seine Krone klauen und sie mir selbst auf mein eigenes größenwahnsinniges Haupt setzen…

…und ich freue mich auf all die schlaflosen Nächte, die darauf folgen werden, denn ich fürchte, ich bin nicht die einzige, die in diesem Land nach der Königswürde trachtet.

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