Schnittmuster Mittelalter: Unterrock

Schnittmuster Mittelalter Unterrock

Jede Dame hebt ein wenig den langen prunkvollen Rock, wenn sie ein paar Stufen hinauf gehen will. Sie will schließlich nicht über ihr eigenes Kleid stolpern.

 

Doch welche Dame will schon eine wenig mittelalterliche Strumpfhose oder gar unrasierte Beine dabei zeigen? Ein hübscher Unterrock gibt nicht nur dem Rock mehr Volumen, er verdeckt auch all die Dinge die eine Dame – anstandshalber – nicht zeigen sollte.

Hier die Anleitung:

 

Schnittmuster Mittelalter: Unterrock

 

Schnittmuster Mittelalter Unterrock

Für diesen Rock habe ich einen stark gemusterten Stoff gewählt. Da ich das Muster durch keilförmige Schnittmuster nicht zerstören wollte, habe ich mir folgenden Schnitt überlegt:Schnittmuster Rock

 

Der Unterrock soll einen möglichst weiten Saum haben und unten rum richtig Volumen machen. Andererseits sollte er nicht unbedingt die Hüften betonen.   Also ist dieser Rock in der oberen Partie relativ “Stoffarm” und hat durch die Falten unten einen wunderbar weiten Saum.

 

Ein weiterer Vorteil bei diesem Schnitt ist, dass man stark gemusterten Stoff verwenden kann, ohne das Muster zu zerstören (erkläre später genauer).

Wohlan! Die Dame braucht einen Unterrock!

Schnittmuster und Stoffmenge:

Ich habe für den Rock gerade einmal 2 Meter Stoff verbraucht. Und man hätte sparen können! Mein hoher Verbrauch resultiert nur davon, dass ich mich an das Muster des Stoffes halten musste.  (Trotzdem habe ich noch Reste genug, um beispielsweise eine Tasche damit zu füttern).

 

Wieviel ihr tatsächlich braucht, müsst ihr selbst ausrechnen, viel  wird es aber nicht sein.

a   Breite Teil A (abhängig vom Musterrapport; maximal 55 cm)

b  Saumweite (in meinem Fall: doppelt so breit, wie der Stoff liegt)

c  Saum 1 (mindestens 1 Meter)

d  Breite Teil B (Gesamtlänge Rock minus a)

e  Taillenumfang

a + d  Gesamtlänge Rock

Genaue Maße kann ich hier leider nicht geben. Das Ausmessen sollte aber eigentlich kein Problem sein.

Saum c muss abhängig von der Breite von Teil A bemessen werden. Das klingt komplizierter als es eigentlich ist: wichtig ist hierbei nur, dass er den Bewegungsfreiraum nicht einschränkt. Man will schließlich Tanzen können…

Insgesamt besteht der Rock aus 6 – 7 Teilen:

  • 1-2 rechteckige Stoffstreifen für Teil A
  • 4 trapezförmige Stoffstücke für Teil B
  • 1 Stoffstreifen für den Saum

ACHTUNG! bei allen Zuschnitten muss auf Nahtzugabe geachtet werden!!!

Teil A:

Teil-ATeil A ist eigentlich der einfachste Teil des ganzen Rockes. Eigentlich, wenn da nicht die Falten wären, aber dazu später.

Er besteht aus einer einzigen langen Stoffbahn. Die Länge gibt hier die endgültige Saumlänge vor. Aber aufpassen: wenn man den Stoff in Falten legt, kann man ihn maximal auf 1/3 der ursprünglichen Länge reduzieren

(natürlich wäre es auch möglich größere Stoffmengen entsprechend zusammen zu fassen, aber soviel Stoff benötigt ein Unterrock nun wirklich nicht)

Teil-A-1In meinem Fall gibt sich die Breite a  aus dem Musterrapport. Sie sollt aber nicht länger als 55 cm sein. (wie wollen schließlich viel Volumen am Saum, aber möglichst wenig auf den Hüften und Oberschenkeln)

Allerdings muss bei diesem Schnittstück auch noch auf den Saum geachtet werden. Damit dieser schön ausfällt sollte man am unteren Rand unbedingt etwa 8 cm statt der üblichen Nahtzugabe von 1 cm zugegeben werden.

Die beiden Stoffstreifen werden erst an der schmalen Seite (a) zu einer langen Bahn zusammen genäht, die Doppelter-Saumdann wieder an den schmalen Seiten (a) zu einem Schlauch zusammen genäht wird. Wenn der Stoff gemustert ist, sollte hier auf das Muster geachtet werden, dass keine sichtbaren Unterbrechungen zu sehen sind.

Als nächstes wird der Saum genäht:

Ich empfehle auf jeden Fall einen doppelten Saum! Am einfachsten ist es, wenn man die Kanten nach dem Feststecken erst einmal bügelt. So wird der Saum schön gleichmäßig.

Jetzt kommt der eigentlich komplizierteste Arbeitsschritt des ganzen Rockes: die Falten.

Die nicht-gesäumte Kante von Teil A muss auf die Länge c gebracht werden. Ich persönlich finde gekräuselte Falten bei einem gemusterten Stoff nicht sehr schön und habe mich deswegen für Kellerfalten entschieden.

Wenn ich eine Kellerfalte mache, verringere ich die Länge um 2/3. In einer Falte, die z.B. 4cm breit ist, verschwinden also 8 cm Stoff.

 

Die Stoffkante wird also in gleichmäßige Falten gelegt, bis ich die gewünschte Länge c erreicht habe. Dabei lieber mehr Nadeln verwenden, als zu wenig, und Bügeln ist auch nicht verkehrt.

Sobald die Länge auf diese Weise verkürzt ist, werden die Falten mit einem Zickzackstick fixiert. (Das erspart einem das spätere Fluchen, wenn die Nadeln herausfallen und die mühsam gelegten Falten dahin sind)

Teil B:

Dieser Teil des Rockes besteht eigentlich aus 4 Trapezen.

(Die schmale Kante des Trapezes sollte 1/4 des Taillenumfanges entsprechen, die langen Kante 1/4 der Länge c.

Die beiden schärgen Seiten entsprechen der Rocklänge – a)

 

Wenn alle Trapeze an den schrägen Kanten zusammen genäht sind, sollte die schmale Seite dem Taillenumfang (e) entsprechen.

Um allerdings ein wenig mehr Bewegungsfreiheit zu bekommen, habe ich die schmale Seite von jedem Trapez um 8 cm verlängert (diese 8cm verschwinden später in einer Kellerfalte)

 

 

 

Ich habe festgestellt, dass es bequemer ist, die Kellerfalten in jedes der Trapeze zu nähen, BEVOR sie zusammen genäht werden. 

Die Kellerfalten werden wie zuvor erst gesteckt und gebügelt, dann mit einem breiten Zickzackstich fixiert.

 

Anschließend werden die 4 Einzelteile an den schrägen Kanten zu einer Bahn zusammen genäht:

 

Bevor die verbleibenden beiden Schrägkanten zusammen genäht werden, soltte man abmessen, wie lang der Schlitz sein soll, um den Rock bequem an- und ausziehen zu können.

20cm würde ich als minimale Länge vorschlagen.

 

Die Stoffbahn wird also so zusammen genäht, dass der Schlitz nach oben hin (zur schmalen Seite) offen bleibt.

Ich habe die Nahtzugabe für diese Naht noch ein wenig verbreitert, um auch entlang des Schlitzes einen doppelten Saum machen zu können (sieht einfach ordentlicher aus). Aber für einen Unterrock kann man sich natürlich auch damit zufrieden geben, die Nahtzugabe einfach so umzunähen.

Zuletzt wird der Rockbund gemacht.

Dazu wird ein Stoffstreifen mit der Breite von 6 cm in der Länge e zurecht geschnitten (+ Nahtzugabe).

(Statt des Stoffstreifens kann man auch ein Schrägband verwenden)

Bei diesem Stoffstreifen wird die Nahtzugabe nach innen gebügelt und der ganze Streifen dann noch einmal halbiert.

Mit diesem Stoffstreifen wird jetzt der obere Saum von Teil B versäubert.
(Der Stoffstreifen wird um den Saum von Teil B geklappt und fest genäht.)

Um den Rock zu verschließen wird jetzt noch an jede Seite des Schlitzes ein Band genäht, so dass man den Rock mit einer einfachen Schleife verschließen kann.

 

Aber noch ist es ein Minirock.  Aber nicht verzagen, eine einzige Naht trennt uns noch von dem fertigen Unterrock!

Der in Falten gelegte Saum von Teil A wird jetzt an den Saum von Teil B festgesteckt und festgenäht… und fertig ist der Unterrock einer Adeligen.

 

Ich hoffe, dass die Anleitung verständlich ist. Bei Frage stehe selbstverständlich zur Verfügung.

Katharina